Konfliktgespräche in der Bauwirtschaft: 10 Tipps zur Vorbereitung und Durchführung

Wie entstehen Konflikte in der Bauwirtschaft?

Die BVM Akademie zeigt Wege für Bauleiter sowie Projektleiter, um schwierige Gespräche am Bau erfolgreich vorzubereiten und zu lenken. Diese Situationen prägen den Arbeitsalltag auf der Baustelle, da zahlreiche Partner unter engen Fristen und mit Blick auf die Kosten zusammenarbeiten.

Konflikte gehören in der Bauwirtschaft zum Alltag. Wo viele Beteiligte zusammenarbeiten, Termine eingehalten werden müssen und wirtschaftlicher Druck besteht, bleiben Reibungen kaum aus. Für Bauleiter, Projektleiter und andere Führungskräfte heißt das auch: Schwierige Gespräche gehören dazu.

Baukonflikte entstehen in vielen verschiedenen Phasen. Streit gibt es oft schon bei der ersten Planung, während der Bauzeit oder bei einer Sanierung. Bauherren, Planer und Firmen geraten häufig aneinander. Manchmal gibt es auch Probleme mit den Nachbarn oder mit Ämtern.

Wie gehen Sie mit Konfliktsituationen um?

Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie schwierige Gespräche vorbereiten. Sie führen Gespräche sicher und vermeiden weiteren Streit. So lösen Sie Probleme sachlich und verbessern die Zusammenarbeit am Bau. Den Umgang mit Konflikten trainieren wir mit Führungskräften aus der Bau- und Immobilienwirtschaft in unseren Konfliktmanagement Seminaren und Inhouse-Schulungen.

Diagramm Baukonflikte

Konfliktgespräche führen

Erfolgreiche Bauleiter sowie Bauprojektleiter verhindern Streitigkeiten auf der Baustelle oft schon im Vorfeld, indem sie Absprachen klar formulieren und Abläufe vorausschauend planen. Entstehen dennoch Meinungsverschiedenheiten, greifen sie frühzeitig ein und klären die Situation, bevor der Streit eskaliert.

In vielen Fällen können Sie als Bauleiter oder Bauprojektleiter die Baukonflikte friedlich beilegen. Durch gute Kommunikation und eine sorgfältige Planung können Sie viele Probleme bereits im Vorfeld vermeiden. Falls doch ein Konflikt entsteht, sollten Sie mit den Beteiligten versuchen, diesen möglichst schnell und einvernehmlich zu lösen.

Vermeiden Sie, dass Missverständnisse und Unstimmigkeiten auf den neun Stufen der Konflikteskalation landen. Aus der Analyse können sich angemessene Reaktionen ergeben. Friedrich Glasl legte mit dem Phasenmodell der Eskalation ein Modell vor, um Konflikte zu analysieren und Konfliktlösungen zu entwickeln.

Konflikte, die harmlos anfangen, können sich sukzessive auf der neunstufigen Skala der Konflikteskalation steigern und nicht mehr ohne Hilfe von neutralen Dritten gelöst werden.

Tipps für erfolgreiche Konfliktgespräche

Die BVM Akademie empfiehlt Bauleitern zehn konkrete Maßnahmen, mit denen sie Konfliktgespräche erfolgreich vorbereiten und führen. Die Ratschläge reichen von der Auswahl des passenden Termins bis zur außergerichtlichen Streitbeilegung.

Ein Konfliktgespräch ist immer eine heikle Angelegenheit. Denn wenn es nicht gut vorbereitet und geführt wird, kann es schnell zu einem Desaster und zur Konflikteskalation kommen, die viel Zeit, Geld und Nerven kostet. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie ein Konfliktgespräch richtig führen.

Konflikteskalation Phasen

1. Suchen Sie den richtigen Zeitpunkt für das Konfliktgespräch aus.

In einem Unternehmen können Konflikte auf vielen verschiedenen Ebenen auftreten. Es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt und Ort für das Gespräch zu finden, um sicherzustellen, dass die Konflikte effektiv und zeitnah gelöst werden.

Denn je länger ein Konflikt dauert, desto schwieriger wird es oft, ihn zu lösen. Wenn Sie denken, dass der Konflikt eskalieren könnte, ist es möglicherweise auch ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Streitlöser mit baurechtlichen Fachkenntnissen und Soft Skills können helfen, den Konflikt zu lösen und zukünftige Konflikte zu vermeiden.

2. Bereiten Sie sich gut auf das Konfliktgespräch vor.

Bevor Sie ein Konfliktgespräch führen, sollten Sie sich gut vorbereiten. Sammeln Sie alle relevanten Informationen und überlegen Sie genau, was Sie sagen wollen. Auch die nonverbalen Signale, die Sie aussenden, sollten stimmen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu aggressiv oder defensiv wirken. Und denken Sie daran: Ein Konfliktgespräch ist kein Schlagabtausch, sondern eine Chance, das Problem gemeinsam zu lösen.

3. Setzen Sie sich gemeinsam an einen Tisch.

Finden Sie einen neutralen Ort, an dem alle Beteiligten sich wohlfühlen und in dem sie gut kommunizieren können. Ein Konfliktgespräch sollte immer in Ruhe geführt werden. Setzen Sie sich also am besten an einen Tisch und vermeiden Sie es, herumzulaufen, E-Mails zu lesen oder mit den Händen in der Tasche zu stehen. Auch die Körperhaltung soll offen sein. Verschränkte Arme oder Beine wirken abweisend und deuten darauf hin, dass man nicht bereit ist, zuzuhören oder sich auf einen Kompromiss einzulassen.

4. Reden Sie Klartext – aber vermeiden Sie Schuldzuweisungen.

In einem Konfliktgespräch ist es wichtig, klar und deutlich zu sprechen. Vermeiden Sie es, Andeutungen zu machen oder Umschreibungen zu verwenden. Sagen Sie, was Sache ist. Problematisch sind Schuldzuweisungen, die sich negativ auf die Zusammenarbeit auswirken. Insofern ist es wichtig, dass alle lösungswillig sind und den Blick in die Zukunft wagen, um die Konflikte offen und fair zu klären.

5. Hören Sie zu und stellen Sie konstruktive Fragen.

In einem Bau-Konfliktgespräch ist es genauso wichtig, zuzuhören, wie selbst zu reden. Bemühen Sie sich, die Position des anderen zu kennen und seine Interessen und Zielsetzungen zu verstehen. Nur so können Sie gemeinsam Lösungsmöglichkeiten finden und Vereinbarungen zum weiteren Vorgehen vereinbaren.

Wenn der andere redet, hören Sie aufmerksam zu und lassen Sie ihn ausreden – nur so erfahren Sie seine ganzen Argumente vollständig. Stellen Sie offene Fragen und finden Sie „das Gemeinte hinter dem Gesagten“ heraus, damit Sie angemessen reagieren und Lösungen für Ihre Baukonflikte finden können.

6. Nutzen Sie die Erfolgspotenziale des Konfliktmanagements in Bausachen.

Frühzeitige und lösungsorientierte Gespräche bei Streitigkeiten sparen laut der BVM Akademie messbar Zeit, Geld sowie Arbeitskräfte in Bauprojekten ein.

Wenn Sie Konfliktgespräche vorbereiten, den Sachverhalt klären und die Interessen der Parteien anhören, können Sie nachhaltige Lösungen miteinander auf möglichst niedriger Eskalationsstufe erarbeiten. Wenn Sie Konfliktgespräche rechtzeitig und konstruktiv führen, können Sie Ihre Ressourceneffizienz signifikant steigern:

1. Ressource: Zeit

  • zügigere Projektrealisierung
  • Konzentration auf werthaltige und wertschöpfende Geschäftsprozesse

2. Ressource: Geld

  • Einsparung von Konflikt- und Konfliktfolgekosten
  • Steigerung des Images und Verbesserung der Referenzen

3. Ressource: Personal und Bildung

  • Freiraum für das „Kerngeschäft“ Planen und Bauen
  • Reduzierung von psychischen Belastungen der Mitarbeiter
  • Verringerung der Personalfluktuation
  • Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber

7. Was tun, wenn die Zerstrittenen keine Lösung finden?

Besonders in Baustreitigkeiten sollte der Gang zu Gericht immer nur die „ultima ratio“ sein. Auch wenn sich die Beteiligten mit unversöhnlichen Standpunkten gegenüberstehen und eine weitere Zusammenarbeit im Bauprojekt nicht mehr gewollt ist, erscheint ein Gerichtsverfahren in Bausachen unter dem Aspekt der Ressourceneffizienz auf jeden Fall zielführend.

Eine bessere Alternative ist bei Baukonflikten eine außergerichtliche Streitbeilegung, in der die Beteiligten selbst mithilfe eines Streitlösers eine einvernehmliche Lösung eigenverantwortlich verhandeln. Er oder sie hilft den Streitenden dabei, ihre Positionen darzulegen, ihre Interessen und Belange auszutauschen und eine Klärung oder Streitbeilegung herbeizuführen.

8. Baumediation statt Gerichtsprozess, Nachhaltigkeit durch „ADR“ in Bausachen

Wenn Sie als Bauvertragspartei den Konflikt durch Einschaltung eines Dritten lösen wollen, weil der Sachverhalt komplex erscheint, kommen insbesondere folgende ADR-Verfahren in Betracht: Schlichtung, Mediation, Adjudikation, Schiedsgutachten, Schiedsgerichtsverfahren oder ein Dispute Board (planungs- und baubegleitendes Gremium). Die Baumediation kann im Bauprojekt eine wertvolle Methode sein, um Konflikte schnell zu lösen und eine gute Zusammenarbeit im Projekt zu sichern und die Geschäftsbeziehung zwischen den Beteiligten zu schonen. Dabei sind einige Aspekte zu berücksichtigen, die Sie im Rahmen der Auftragsklärung vor der Baumediation mit Ihrem/Ihrer Mediator:in klären sollten.

9. Investieren Sie in Aus- und Weiterbildung, wenn Sie und Ihre Mitarbeiter Konfliktgespräche effizient führen wollen.

Wir vermitteln baurechtliche, baubetriebliche und bauwirtschaftliche Expertise, verbunden mit Arbeitstechniken zur erfolgreichen Kommunikation und Verhandlung sowie Konfliktlösungskompetenzen. Der Teilnehmerkreis setzt sich interdisziplinär aus erfahrenen Führungskräften der Bauwirtschaft, Architekten, Ingenieuren, Baujuristen und Sachverständigen zusammen.

Mehr Informationen über unsere Weiterbildungen in den Bereichen Streitlösung und Konfliktmanagement finden Sie auf den Unterseiten zum Streitlöser.

10. Die eigene Führungskompetenz regelmäßig hinterfragen.

Als Bauleiter festigen Sie durch eine durchdachte Strategie Ihr Ansehen sowie Ihr fachliches Auftreten, regen sachliche Gespräche an und senken den eigenen Druck. Wer Konflikte am Bau nicht als Blockade, sondern als Chance für Verbesserungen sieht, sorgt für bessere Arbeitsergebnisse und schweißt das Projektteam enger zusammen.

Trainieren Sie als Bauleiter oder Führungskraft Ihren Umgang mit Konflikten systematisch in den Soft Skills Seminaren der BVM Akademie.

Schreiben Sie uns, wenn Sie individuell zugeschnittene Inhouseseminare suchen. Wir bieten folgende Themen an:
Erfolgreiche Konfliktgespräche und Konfliktmanagement, Kommunikation und Professionelles Verhandeln am Bau oder Führungskräftetraining für Bauprojektleiter. Rufen Sie uns an, wir beraten Sie gerne.

Diese Seiten könnten Sie auch interessieren:

Blogartikel: Jahresgespräche im Bauwesen

FAQ zu Konfliktgesprächen

Bauleiter führen Konfliktgespräche am Bau laut BVM Akademie am besten mit einer guten Struktur. Sie tragen dazu alle wichtigen Daten zusammen, stecken das Ziel sowie den Ablauf ab und sorgen für eine ungestörte, sachliche Umgebung. Tragen Sie alle wichtigen Unterlagen zusammen, wählen Sie einen unparteiischen Raum ohne Zeitdruck und richten Sie den Blick auf die Tatsachen statt auf Schuldzuweisungen.

Zu den häufigsten Streitpunkten am Bau gehören laut BVM Akademie nachträgliche Forderungen, knappe Fristen, unklare Zuständigkeiten und gegensätzliche Interessen der Auftraggeber, Planer sowie der Baubetriebe. Diese Probleme treten beim Entwurf, während der Bauphase und bei Ausbesserungsarbeiten auf.

Streitigkeiten am Bau schaukeln sich laut BVM Akademie am wenigsten hoch, wenn Beteiligte frühzeitig auf den ersten Stufen des Stufenmodells nach Glasl eingreifen. Kurze, regelmäßige Absprachen im Arbeitsalltag helfen besser als späte Krisensitzungen.

Ein unparteiischer Vermittler oder Streitlöser hilft laut BVM Akademie weiter, wenn die Partner keine gemeinsame Lösung finden. Dieser Schritt spart die hohen Kosten eines Gerichtsverfahrens. Als Wege bieten sich Schlichtung, Mediation, Adjudikation, Schiedsgutachten oder Dispute Boards an.

Dieser Ratgeberbeitrag liefert direkt anwendbare Tipps für die Vorbereitung von Gesprächen. Das Konfliktmanagement-Seminar der BVM Akademie München schult Bauleiter dagegen zwei Tage lang im praktischen Umgang mit Streitigkeiten durch Übungen, Kontrolllisten und persönliche Rückmeldungen.

Die BVM Akademie München bietet ein zweitägiges Konfliktmanagement-Seminar für Bauleiter sowie den 20-tägigen Lehrgang Streitlöser DGA-BAU-ZERT für vertiefte Ausbildung in Wirtschaftsmediation und außergerichtlicher Streitbeilegung an.
• Konfliktmanagement-Seminar München (2 Tage) – auch als Inhouse-Schulung
• Lehrgang Streitlöser DGA-BAU-ZERT (20 Tage) – Wirtschaftsmediation und außergerichtliche Streitbeilegung