Baumediation in der außergerichtlichen Streitbeilegung

Konflikte rund um Kosten und Termine, Vertragsstrafen und Mängel sowie Bauablaufstörungen sind im Bauwesen und Bauprojektmanagement gängig. Baumediation ist eine nutzenorientierte Streitbeilegungsmethode ohne teure und zeitintensive Gerichtsverfahren. Die Mediation gewinnt als außergerichtliches Streitbeilegungsverfahren in der Bauwirtschaft zunehmend an Bedeutung, wenn schnelle Konfliktlösungen notwendig sind.

Was ist Baumediation?

Das Mediationsgesetz (MediationG) trat am 21.07.2012 in Kraft. Mediation ist gemäß § 1 (Begriffsbestimmung) ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem die Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben. Eine Entscheidung durch den Richter ist für die Bauvertragsparteien nicht vorhersehbar.

Als Fortbildung für dieses Spezialgebiet bietet die BVM mit dem DGA-Bau den Lehrgang Streitlöser DGA-Bau-Zert® mit optionaler Qualifizierung zum Wirtschaftsmediator an.

Darum ist Baumediation effizienter als ein Gerichtsverfahren:

  • Lange Gerichtsverfahren und hohe Kostenrisiken gefährden den Erfolg von Bauprojekten.
  • Auseinandersetzungen zerstören den Mehrwert der bisherigen oder künftigen Zusammenarbeit beim Planen und Bauern.
    Oft geht eine jahrelang aufgebaute Vertrauensbasis verloren.
  • Bei der Mediation in der Bauwirtschaft steht die Verhandlung über eine konsensuale Konfliktlösung im Vordergrund.

Nutzen von Mediationsverfahren für die Bauwirtschaft

Ein Mediator ist auch in der Bauwirtschaft eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis, die beide Parteien durch das außergerichtliche Mediationsverfahren begleitet. Die Gestaltungshoheit behalten die Projektbeteiligten (Medianten). Die Eigenverantwortlichkeit bei der Einigung über die Baustreitigkeit bleibt gewahrt. Die Mediationsvereinbarung im Bauwesen kann – wie ein Gerichtsurteil – auch als vollstreckungsfähiger Titel ausgefertigt werden, sodass im Bedarfsfall die Zwangsvollstreckung möglich ist.

Der Einsatz von Mediationsverfahren bringt einen Imagegewinn für Bauherren, Auftraggeber, Planer und Auftragnehmer. Sie zeigen sich als moderne Unternehmer am Bau, die effizienten Formen der außergerichtlichen Streitbeilegung in der Bauwirtschaft offen gegenüber stehen. Auch bei Konflikten legen sie Wert auf gute Zusammenarbeit und Vertraulichkeit.

Wann findet Mediation in der Bauwirtschaft statt?

Mediation findet statt:

  • vor der Bauzeit im Rahmen der Projektentwicklung und -vorbereitung.
  • während der Bauzeit zur Konfliktlösung der am Projekt Beteiligten: bei Bauablaufstörungen und im Rahmen des Nachtragsmanagements
  • nach der Bauzeit bei Abnahme, Mängeln und Schlussabrechnungen.

Wie läuft die Mediation ab?

In der Bauwirtschaft kann die Mediation beim Auftreten baurechtlicher Konflikte und Bauablaufstörungen freiwillig ad-hoc von den am Bau Beteiligten selbst in Gang gebracht werden. Eine Mediationsklausel zur Streitbeilegung kann auch im Bauvertrag  aufgenommen werden. Die Parteien verpflichten sich damit zur Durchführung einer Baumediation, bevor sie ein gerichtliches Verfahren initiieren.

Sie einigen sich auf einen qualifizierten Baumediator und schließen mit ihm einen schriftlichen Mediationsvertrag ab. Die Konfliktparteien benötigen also zwei Verträge: einen über die Mediation zwischen den Bauvertragspartnern untereinander und einen zu Rahmenbedingungen, zur Struktur des Mediationsverfahrens und zur Vergütung des Mediators. Endet die Mediation erfolglos, steht der Weg zu den Gerichten im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten unverändert offen.

Allparteilichkeit: der Mediator als neutraler Dritter

Beim Planen und Bauen ist ein starker Mediator gefragt. Er kennt die Themen bei Streitigkeiten in der Bauwirtschaft und hat Verständnis für die Interessen der Kontrahenten. Als neutraler Dritter kann er zur außergerichtlichen Streitbeilegung beitragen.

Neutralität und Allparteilichkeit zählen zu den Kernelementen des Baumediationsverfahrens. Die Konfliktparteien gewährleisten die Neutralität (§ 3 MediationsG) durch ihr eigenes Auswahlverfahren. Zur Allparteilichkeit ist der Baumediator gesetzlich verpflichtet (§ 2 MediationsG).

Weiterbildung zum Baumediator

Das Knowhow und Verständnis für die Anforderungen und Aufgaben des Bauprojektmanagements sind für die Analyse des Baukonfliktes entscheidend, um Baustreitigkeiten zu lösen. Mit unserem Lehrgang Streitlöser DGA-Zert® und der Qualifizierung zum Wirtschaftsmediator können Sie sich perfekt vorbereiten auf die Durchführung von außergerichtlichen Streitbeilegungsverfahren. Im Jahr 2021 finden drei Lehrgänge statt. Kontaktieren Sie uns unter info@bvm-seminare.de für weitere Infos und Beratung.