Baumediation in der außergerichtlichen Streitbeilegung

Konflikte rund um Kosten und Termine, Vertragsstrafen und Mängel sowie Bauablaufstörungen sind im Bauwesen und Bauprojektmanagement gängig. Baumediation ist eine nutzenorientierte Streitbeilegungsmethode ohne teure und zeitintensive Gerichtsverfahren. Die Mediation gewinnt als außergerichtliches Streitbeilegungsverfahren in der Bauwirtschaft zunehmend an Bedeutung, wenn schnelle Konfliktlösungen notwendig sind.

Im Folgenden finden Sie genauere Informationen zur Mediation am Bau, die Teil unseres Lehrgangs ist – insbesondere des Updates zum Wirtschaftsmediator. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie ein zertifizierter Baumediator bzw. Wirtschaftsmediator werden können, kontaktieren Sie uns noch heute über info@bvm-seminare.de oder Telefon!

Was ist eine Baumediation?

Die Mediation für die Bau- und Immobilienwirtschaft ist ein Verfahren, das den an einem Baustreit beteiligten Parteien hilft, ihre Konflikte zu lösen, ohne vor Gericht zu gehen. Dazu gehören Konflikte zwischen Bauunternehmern und Architekten, aber auch solche zwischen Bauherren und Handwerkern. Die Mediation kann also sowohl im Bereich der Planung als auch bei der Ausführung von Bauprojekten eingesetzt werden.

Baumediation unterliegt einem ständigen Wandel und die Voraussetzungen für die Ausbildung von Mediatoren ändern sich. Das Knowhow und Verständnis für die Anforderungen und Aufgaben des Bauprojektmanagements sind für die Analyse des Baukonfliktes entscheidend, um Baustreitigkeiten zu lösen. Mit unserem Lehrgang Streitlöser DGA-Zert® und der Qualifizierung zum Wirtschaftsmediator können Sie sich perfekt vorbereiten auf die Durchführung von außergerichtlichen Streitbeilegungsverfahren. Kontaktieren Sie uns unter info@bvm-seminare.de für weitere Infos und Beratung.

Konfliktlösung in einem vertraulichen Verfahren

Mediation ist gemäß § 1 (Begriffsbestimmung) ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem die Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben. Eine Entscheidung durch den Richter ist für die Bauvertragsparteien nicht vorhersehbar. Das Mediationsgesetz (MediationG) trat am 21.07.2012 in Kraft.

Welche Konflikte können Baumediatoren lösen?

Mediationsverfahren haben sich besonders bewährt bei Streitigkeiten über Planung und den Bau von Gebäuden, aber auch bei anderen Konflikten, etwa bezüglich der Instandhaltung bestehender Bauten.

Gründe können u.a. sein:

  • Abwicklung von Rechtsstreitigkeiten,
  • Überzahlungen,
  • Verzögerungen,
  • Änderungsaufträge,
  • Vertragsauslegungen.

Warum ist Baumediation effizienter als ein Gerichtsverfahren?

Auseinandersetzungen zerstören den Mehrwert der bisherigen oder künftigen Zusammenarbeit beim Planen und Bauern.
Oft geht eine jahrelang aufgebaute Vertrauensbasis verloren und Bauprojekte werden behindert. Eine Mediation ist in vielen Fällen eine bessere Lösung als lange Gerichtsverfahren. Diese bergen hohe Kostenrisiken und gefährden den Erfolg von Bauprojekten. Bei der Mediation in der Bauwirtschaft steht die Verhandlung über eine konsensuale Konfliktlösung im Vordergrund.

Welche Vorteile bietet Baumediation bei Streitigkeiten über ein Bauprojekt?

Ein Mediator ist auch in der Bauwirtschaft eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis, die beide Parteien durch das außergerichtliche Mediationsverfahren begleitet. Die Gestaltungshoheit behalten die Projektbeteiligten. Die Eigenverantwortlichkeit bei der Einigung über die Baustreitigkeit bleibt gewahrt. Die Mediationsvereinbarung im Bauwesen kann – wie ein Gerichtsurteil – auch als vollstreckungsfähiger Titel ausgefertigt werden, sodass im Bedarfsfall die Zwangsvollstreckung möglich ist.

Vorteile der Mediation kurz gesagt:

  • Einsparung von Zeit und Geld,
  • Verbesserung der Kommunikation,
  • Erhalt von Beziehungen,
  • schnelleres und kostengünstigeres Verfahren als ein Gerichtsverfahren
  • die Medianten behalten die Kontrolle über den Ausgang des Streits.

Welchen Nutzen haben die Medianten?

Der Einsatz von Mediationsverfahren bringt einen Imagegewinn für Bauherren, Auftraggeber, Planer und Auftragnehmer. Sie zeigen sich als moderne Unternehmer am Bau, die effizienten Formen der außergerichtlichen Streitbeilegung in der Bauwirtschaft offen gegenüber stehen. Auch bei Konflikten legen sie Wert auf gute Zusammenarbeit und Vertraulichkeit.

Wann findet Mediation in der Bauwirtschaft statt?

Mediation findet statt:

  • vor der Bauzeit im Rahmen der Projektentwicklung und -vorbereitung.
  • während der Bauzeit zur Konfliktlösung der am Projekt Beteiligten: bei Bauablaufstörungen und im Rahmen des Nachtragsmanagements
  • nach der Bauzeit bei Abnahme, Mängeln und Schlussabrechnungen.

Welche verschiedenen Phasen umfassen Baumediationen?

In den verschiedenen Phasen der Mediation wird darauf hingearbeitet, den Streit auf eine für alle Beteiligten vorteilhafte Weise beizulegen. Durch die Auswahl des richtigen Baumediators und die Vorbereitung auf die Sitzung stellen beide Seiten sicher, dass sie das Beste aus dieser Form der alternativen Streitbeilegung herausholen. Baumediationen umfassen in der Regel vier Phasen:

  1. Informationsbeschaffung:
    Der Baumediator mit jeder Partei und sammelt Informationen über den Streitfall.
  2. Problemfindung:
    Beide Parteien arbeiten zusammen, um die strittigen Punkte zu ermitteln.
  3. Beratung:
    Der Baumediator fördert die Diskussion zwischen den Parteien, um ihnen zu helfen, eine Einigung zu erzielen.
  4. Einigung:
    Eine vom Baumediator entworfene Vereinbarung wird von beiden Parteien unterzeichnet.

Wie läuft die Baumediation ab?

In der Bauwirtschaft kann die Mediation beim Auftreten baurechtlicher Konflikte und Bauablaufstörungen freiwillig ad-hoc von den am Bau Beteiligten selbst in Gang gebracht werden. Eine Mediationsklausel zur Streitbeilegung kann auch im Bauvertrag  aufgenommen werden.

Die Parteien verpflichten sich damit zur Durchführung einer Baumediation, bevor sie ein gerichtliches Verfahren initiieren. Sie einigen sich auf einen qualifizierten Mediator für die Bauwirtschaft und schließen mit ihm einen schriftlichen Mediationsvertrag ab.

Die Konfliktparteien benötigen also zwei Verträge: einen über die Mediation zwischen den Bauvertragspartnern untereinander und einen zu Rahmenbedingungen, zur Struktur des Mediationsverfahrens und zur Vergütung des Mediators. Endet die Mediation erfolglos, steht der Weg zu den Gerichten im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten unverändert offen.

Wie bereitet man ein Mediationsverfahren vor?

Vor der ersten Mediationssitzung ist eine gute Vorbereitung wichtig. Die Medianten werden mit einem unparteiischen Dritten zusammenarbeiten, um zu verhandeln. Der Baumediator trifft aber keine Entscheidungen, sondern erleichtert die Kommunikation und hilft den Parteien, eine Einigung zu erzielen.

Folgende Fragen sollten die Beteiligten sich vor Beginn der Mediation stellen:

  • Was will ich mit der Baumediation erreichen?
  • Was sind die Stärken und Schwächen meines Falls?
  • Welche Zugeständnisse bin ich bereit zu machen?
  • Wo finde ich kompetente Mediatoren für die Immobilien- und Bauwirtschaft?
  • Wer besitzt die nötigen Fachkenntnisse und passt gut zu meinem Fall?

Welche Kompetenzen braucht ein Baumediator?

Bauprojekte können zwar komplex sein, aber dank der Bemühungen kompetenter und erfahrener Fachleute verlaufen sie in der Regel reibungslos. Dennoch können immer wieder Probleme auftauchen. In diesem Fall ist es wichtig, einen Baumediator hinzuzuziehen, der dabei helfen kann, die Meinungsverschiedenheiten auf faire und unparteiische Weise zu lösen. Dabei sind viele Kompetenzen notwendig.

Der Baumediator muss

  • über Erfahrung im Baurecht und in der Streitbeilegung verfügen,
  • mit den relevanten Vertragsunterlagen und anderen Projektdokumenten vertraut sein,
  • in der Lage sein, mit allen am Streitfall beteiligten Parteien effektiv zu kommunizieren
  • fähig sein, kreative Lösungen anzubieten, die alle Beteiligten akzeptieren können.

Allparteilichkeit: der Baumediator als neutraler Dritter

Beim Planen und Bauen ist ein starker Mediator gefragt. Er kennt die Themen bei Streitigkeiten in der Bauwirtschaft und hat Verständnis für die Interessen der Kontrahenten. Als neutraler Dritter kann er zur außergerichtlichen Streitbeilegung beitragen.

Neutralität und Allparteilichkeit zählen zu den Kernelementen des Baumediationsverfahrens. Die Konfliktparteien gewährleisten die Neutralität (§ 3 MediationsG) durch ihr eigenes Auswahlverfahren. Zur Allparteilichkeit ist der Baumediator gesetzlich verpflichtet (§ 2 MediationsG).

Welche Vorteile der Baumediation haben alle Beteiligten?

Als neutrale Dritte erleichtern Mediatoren die Kommunikation und helfen den Verstrittenen, alle möglichen Optionen zur Beilegung ihrer Differenzen auszuloten. Eine Mediation kann oft zu besseren Ergebnissen führen, als eine der Parteien allein hätte erreichen können. Sie ermöglicht kreative Lösungen, die die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen. Sowohl für Bauherren und Bauunternehmer als auch für Subunternehmer kann eine Baumediation bei Rechtsstreitigkeiten helfen, eine faire und gerechte Lösung zu finden.

Weiterbildung zum Baumediator mit Zertifikat

Als Fortbildung für dieses Spezialgebiet bietet die BVM mit dem DGA-Bau den Lehrgang Streitlöser DGA-Bau-Zert® mit optionaler Qualifizierung zum Wirtschaftsmediator an. Alle behandelten Themen und Inhalte finden Sie in unserem Lehrgangskalender. Technische sowie juristische Streitlöser finden Sie auf der Streitlöserliste der DGA-Bau.